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Hallo Airsailer,
da keiner der Ballonfahrer hier sich berufen fühlt, deine Frage zu beantworten, will ich das mal versuchen (den verhinderten Passagieren, die noch vergeblich auf ihre Fahrt warten -nicht lustig- fehlt ja leider die Möglichkeit das zu beurteilen):
Als ich vor Jahren meine erste Ballonfahrt geschenkt bekommen habe, war ich auch sehr, sehr skeptisch. Ich muß dazu sagen, dass alles was mit Höhe zu tun hat, nicht mein Ding ist. Egal ob Balkon oder Aussichtsturm, am Rand stehen ist nicht, Achterbahn oder Riesenrad geht schon mal gar nicht. Selbst mit dem Urlaubsflieger habe ich so meine Probleme. Auf freier Strecke geht das ja noch, aber wenn sich der Flieger so kurz vor der Landung noch mal in die Kurve legt (keine Ahnung warum das sein muss, ist aber immer so) und du auf der einen Fensterseite die Erde und der anderen den Himmel siehst.... brrrh! Ich sterbe dann immer tausend Tode, eigentlich brauche ich gar keinen Sicherheitsgurt, weil sich meine Hände schraubstockartig um die Sitzlehnen klammern. So sitze ich dann noch bis lange nach der Landung, wenn alle Welt schon die Koffer aus den Gepäckfächern gehebelt hat. Erst dann kommt so langsam wieder Blut in meine Fingerspitzen und ich kann wieder normal atmen und den Schließmuskel entspannen.
Ich hatte halt mal leichtfertig den Wunsch nach einer Ballonfahrt geäußert ("sowas könnte mir auch gefallen") und prompt hat mir jemand so eine Ballonfahrt geschenkt. Da stand ich also irgendwann an einem Sonntag früh auf der grünen Wiese und kam mir etwas vor wie beim Zahnarzt: du sitzt schon in dem Stuhl und der Onkel Doktor werkelt noch an einem Patienten im Zimmer nebenan. Da schießen dir dann tausend Fragen durch den Kopf, warum ich?, warum jetzt, wer kam eigentlich auf diese blöde Idee?, und so weiter. Allerdings waren wir dann alle so mit dem Aufbau von dem Ballon beschäftigt, dass ich erst wieder zu mir kam, als der Ballon schon gute fünf Meter in der Luft war.
Und was soll ich sagen?: Nichts! Angst? Niente! Ich konnte es kaum glauben, aber es war als hätte mir der Onkel Doktor eine fette Spritze Propofol gesetzt. Natürlich hätte ich nicht auf dem Korbrand Rumba tanzen können oder wollen, aber wenn ich daran denke, dass ich mal in der seligen Schulzeit auf dem 5-Meter Brett stand und unter dem Gelächter der Anwesenden schweißgebadet den Rückzug über die Leiter angetreten habe....
Nach fünf Minuten waren wirklich die letzten Bedenken zerstreut. Der Pilot hat mir auch erklärt, dass es wissenschaftliche Untersuchungen gibt, warum es beim Ballonfahren keine Höhenangst gibt. Verstanden habe ich das nicht, aber ich kann bezeugen dass es funktioniert. Auch andere Hosensch..., die mehr oder weniger zufällig zu einer Ballonfahrt gekommen sind, haben mir bestätigt, dass Ballonfahren mit anderen "luftigen Abenteuern" nicht vergleichbar ist.
Ich habe später noch etliche weitere Ballonfahrten gemacht, bei denen es zum Teil auch etwas ruppiger zuging, aber das hat mir nichts mehr ausgemacht. Selbst die Urlaubsfliegerei sehe ich jetzt etwas entspannter. Es soll sogar Seminare geben, wo Ballonfahrten gegen Flugangst unternomen werden. Ob das funktioniert, kann ich nicht sagen, vielleicht will der Psychoheini (der natürlich als Betreuer mit muss!) nur eine Ballonfahrt auf anderer Leute kosten machen - verstehen kann ich das.
Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich einen besonders sanften Piloten hatte, der es (wie er mir erzählt hat) bei Erstlingsfahrern besonders sachte angehen läßt. Ich weiß nicht, ob ich hier seine Adresse angeben soll oder darf, aber bei Interesse teile ich sie dir gerne per PM mit.
Schöne Grüße, Anke
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